Eine aktuelle Ausgabe der Patientenverfügung ist bei uns im Hospizbüro erhältlich

 

 

Patientenverfügung
Warum den Gedanken an Sterben und Tod in gesunden Tagen zulassen? Warum eine Patientenverfügung verfassen und unterschreiben?

von Schwester Mediatrix Nies

Wenn es stimmt, das Sterben nicht schon das Ende ist, sondern ein Gehen auf den Tod hin, dann stellt man sich die Frage, ob man sich über diesen Teil des eigenen Lebens nicht doch schon vorher Gedanken machen sollte. Ob man nicht versuchen sollte - so weit das möglich ist - auch diesen Lebensabschnitt selbst mit zu gestalten?

Oder wollen wir uns mit Aussagen und Einwänden zufrieden geben wie: “Es kommt ja doch, wie es kommen muß” - “Ich habe das nicht in der Hand, meine Pläne werden eh´ durchkreuzt” - “Gott allein bestimmt die Stunde, da habe ich keinen Einfluß darauf und ich muß mir auch keine Sorgen oder Gedanken machen” ... oder so ähnlich?

Ich meine, wir müßten für unsere allerletzte Reise genau so planen und Vorbereitungen treffen, wie für jede andere Reise auch. Das heißt für mich, dass wir uns Gedanken machen sollten, was wir denn für uns selbst möchten, wenn wirklich abzusehen ist, daß das Leben zuende geht.

Es wäre wichtig, darüber zu sprechen und diese Wünsche auch schriftlich auszudrücken in einer sogenannten Patientenverfügung. Wenn wir das tun und dabei auch den Hausarzt zu Rate ziehen, dann werden Angehörige und Freunde auf den Intensivstationen oder wo immer eine kritische Situation entsteht, nicht völlig ratlos und hilflos sein, wenn der dort zuständige Arzt mit der Mitteilung und Frage auf uns zukommt: “Wir haben unsere Grenze erreicht. Was sollen wir tun? Sollen wir alles einsetzen, was dieses Leben verlängert? Oder dürfen wir die sogenannte Maximaltherapie reduzieren, mit anderen Worten: Dürfen wir diesen Menschen auch sterben lassen? Wer kann etwas über die Einstellung dieses Menschen sagen?”

Wenn dann eine solche Patientenverfügung vorgelegt werden kann, aus der hervorgeht, dass z.B. der Sterbeprozess nicht künstlich verlängert werden soll, um die Situation zu erleichtern, selbst auf die Gefahr hin, dass das Leben vielleicht um einige Tage oder Stunden verkürzt wird, dann ist das eine wichtige und wertvolle Entscheidungshilfe für den verantwortlichen Arzt. Und alle, mit denen ich vorher darüber gesprochen habe,  werden sich gegenseitig ermutigen und bestärken, sich dafür einzusetzen, dass mein Wille wirklich respektiert und geachtet wird.

Ja, auch den Hinterbliebenen erweise ich einen Dienst damit, dass ich sie wissen lasse, was ich denn möchte... und das ja in mancherlei Hinsicht.

Es lohnt sich also, sich Gedanken zu machen, ohne dabei in Traurigkeit zu versinken, sondern gerade dann jeden Tag froh und dankbar zu leben.


 

Das Formular einer Patientenverfügung bekommen Sie in beiden Hospizbüros, auf Wunsch auch einen Termin für eine kostenlose Beratung.